Latenz ist nichts, was man haben will – dennoch hat man manchmal damit zu kämpfen; ist bei einer Grippe übrigens auch nicht anders.
Mit Latenz wird eine Lauf- oder Verarbeitungszeit in (technischen) Systemen bezeichnet. Jedes Signal, das irgendwelche Systeme zu durchlaufen hat, benötigt dafür eine bestimmte Zeit. Wie lange das dauert hängt vor allem von der Komplexität des Systems ab.
Ein Gitarrenkabel ist ein eher einfaches System – dennoch bewegt sich dort das Signal auch nur maximal mit Lichtgeschwindigkeit vorwärts; bei einem 4 m langen Kabel braucht das Signal immerhin 13 ns für diesen Strecke. Das ist “nice to know”, wird den Musiker aber nicht wirklich stören. Vor allem dann nicht, wenn man bedenkt, dass der Schall vom Lautsprecher bis zum Ohr bei 4 m Entfernung 12 ms braucht, das ist etwa eine Million mal länger und kommt damit so langsam in einen Bereich, in dem man das merkt.
Wenn nun noch das Signal aufwändig in einer DAW bearbeitet wird, was auch wieder etliche Millisekunden benötigen kann, dann kann es spannend werden. Handelt es sich um eine reine und ausschließliche Aufnahmesituation, dann ist das noch harmlos – da stört es niemanden, ob das aufgenommene Signal ein paar Millisekunden früher oder später auf der Festplatte des Rechners landet. Kommt aber das Signal vom Rechner oder wird es durch den Rechner für Monitoringzwecke bearbeitet oder es wird zu bereits aufgenommenen Spuren gespielt, dann kann das ziemlich störend sein, wenn das Gespielte erst mit Verzögerung hörbar ist. Da ist dann jede eingesparte Millisekunde Latenz ein Gewinn.
Kein Schaden für eine niedrige Latenz ist ein schneller und richtig konfigurierter Computer; es genügt dazu eigentlich schon ein einigermaßen modernes Gerät mit einer sauberen Installation des Betriebssystems. Dann folgt die Audio-Konfiguraiton in der DAW-Software:

Latenz

Latenz
Wie man sieht hängt die Latenz von der Puffergröße ab: Weniger Puffer ergibt eine kleinere Latenz. Nun das große ABER! Eine kleine Puffergröße ist zwar schön, erhöht aber auch die Systemlast, speziell was die Prozessoren angeht. Irgendwann kommen diese nicht mehr nach und im Nutzsignal ist ein Knistern, Krachen, Knacken zu hören – ein deutliches Zeichen für eine zu kleine Puffergröße. Diese sollte daher so klein eingestellt werden, dass gerade noch keine Störgeräusche entstehen. In Studiosituationen lässt sich das in Ruhe ausprobieren, für einen Livemitschnitt geht man kein Risiko ein, da ist die Latenz unwichtig und es wird eine große Puffergröße eingestellt.
Auch der Einsatz von In-Ear-Monitoring kann helfen, die Latenz zu verringern, immerhin sitzt da der Lautsprecher wenige Millimeter vom Trommelfell entfernt und die Laufzeit für diesen Weg ist vernachlässigbar – kein Vergleich zu 13 ms für 4 m von der Lautsprecherbox zum Ohr!