Typisch beim Aufnehmen eines Drumsets ist ein Paar Overheadmikrofone. Sie nehmen so ziemlich alles auf, sind aber insbesondere für Becken und Toms zuständig. Beispielsweise bei einer Jazzformation genügen neben zwei Overheads noch ein Mikrofon für die Snare und eines für die Bassdrum. Für die Overheadmikrofonierung kommt im Grunde jede Stereomikrofonierungstechnik in Frage, häufig wird man entweder AB oder XY verwenden.
- Bei AB sind die Mikrofone einen guten Meter voneinander entfernt. Dadurch gibt es bei den aufgenommenen Signalen Laufzeitunterschiede und damit auch Phasendifferenzen. Natürlich gibt es auch Pegelunterschiede, aber die Richtungsortung erfolgt bei AB-Mikrofonie vorrangig durch die Laufzeitunterschiede. Die Phasendifferenzen beeinträchtigen die Monokompatibilität, in wieweit das ein Problem ist müssen die Ohren entscheiden.
- Bei XY haben die Membrane der beiden Mikrofone einen möglichst kleinen Abstand voneinander. Dadurch gibt es bei den aufgenommenen Signalen keine Laufzeitunterschiede, sondern nur Pegelunterschiede – allein darauf basiert hier die Richtungsortung.
Was bedeutet das nun für die Praxis?
- Studioaufnahme in einem gut klingenden Raum: Es sind beide Verfahren möglich. Soll ein gewisser Raumanteil ebenfalls mit aufgenommen werden, dann bietet sich die Verwendung von Mikrofonen mit Kugelcharakteristik an und das geht nur bei AB, denn bei XY würde es keine Pegelunterschiede geben.
- Liveaufnahme auf einer eher leisen Bühne: Es sind beide Verfahren möglich, Mikrofone mit Kugelcharakteristik sollten nicht verwendet werden. Bei XY sind die Mikrofone aus rein praktischen Gründen – damit sie dem Schlagzeuger nicht im Weg sind – höher angeordnet und nehmen schon dadurch einen größeren Raumanteil mit auf.
- Liveaufnahme auf einer eher lauten Bühne: Hier ist ganz klar AB der Vorzug zu geben, da hierbei die Mikrofone deutlich dichter an den Schallquellen positioniert werden können und so weniger Fremdschall mit aufnehmen.
- Liveaufnahme auf einer sehr lauten Bühne: Hier werden Overheadmikrofone langsam fragwürdig, weil sie viel zu viel Fremdschall mit aufnehmen. Man wird hier kaum um die Einzelmikrofonierung aller Schallquellen herumkommen.
