Es herrscht des öfteren Unklarheit darüber, welche Mikrofontypen es gibt und welcher wo am besten eingesetzt wird. Dieser Blogpost soll dieses Thema etwas beleuchten.
Dynamische Mikrofone:
Bei dynamischen Mikrofonen wird eine Spule in einem Magnetfeld bewegt, wodurch eine Spannung induziert wird. Dynamische Mikrofone sind meist nicht übermäßig empfindlich, sprich es kommt hinten nicht allzu viel raus – für leise und zarte Signale sind sie daher meist weniger gut geeignet. Rein bautechnisch sind sie meist relativ robust und halten auch auf einer Live-Bühne durchaus etwas aus. Für ihren Betrieb ist keine Stromversorgung erforderlich.

Dynamisches Mikrofon ohne Korb
Dynamische Mikrofone sind gut geeignet z.B. für Bassdrum, Snaredrum, Blechbläser, …
Großmembran-Kondensatormikrofone:
Bei einem Kondensatormikrofon bewegt sich eine Membran – und wenn diese groß ist (Konvention: 1 Zoll oder mehr, das sind 2,54 cm oder mehr) spricht man von einem Großmembrankondensatormikrofon. Die Membran bildet zusammen mit einer feststehenden Metallfläche einen Kondensator. Durch die Schwingungen der Membran ändert sich durch die Abstandsänderung dieser beiden Metallflächen zueinander die Kapazität dieses Kondensators, woraus das Ausgangssignal gewonnen werden kann. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass sie auf Grund der Membrangröße per se besser seien als Kleinmembrankondensatormikrofone. Auf jeden Fall sehen sie beeindruckend aus – und schon das alleine mag genügen, dass ein Sänger wirklich sein Bestes gibt. Zum Betrieb ist eine Stromversorgung erforderlich, meist in Form der sogenannten Phantomspeisung.

Großmembrankondensatormikrofon ohne Korb
Großmembrankondensatormikrofone werden fast ausschließlich im Studio eingesetzt und dort gerne für Gesang, Gitarre, Querflöte, …
Kleinmembran-Kondensatormikrofone:
Der Unterschied zu den Großmembranern ist – wenig verwunderlich – die Membrangröße. Auf Grund der kleineren Membran ist der Klang häufig neutraler als bei Großmembranern. Auch hier ist zum Betrieb eine Stromversorgung erforderlich, wiederum meist als Phantomspeisung.

Kondensatormikrofon Rode NT 5

Kondensatormikrofon Haun MBC 660 L
Kleinmembrankondensatormikrofone werden häufig eingesetzt als Schlagzeugoverhead, akustische Gitarre, Streicher, Kirchenorgel, Querflöte, Blockflöte, …
Bändchenmikrofone:
Bei einem Bändchenmikrofon wird ein sehr dünnes Bändchen in einem Magnetfeld durch die Schallwellen in Bewegung gesetzt. Durch diese Bewegung im Magnetfeld entsteht eine kleine Spannung – das grundlegende Prinzip ist also dasselbe wie beim dynamischen Mikrofon. Zum Betrieb ist von seltenen Ausnahmen abgesehen keine Stromversorgung erforderlich und für manche Bändchenmikrofone wäre sie sogar tödlich.
Nicht selten werden Bändchenmikrofone vor dem Gitarrenamp eingesetzt – auf Grund der technisch bedingten Richtcharakteristik “Acht” aber praktisch nur im Studio. Denkbar sind sie auch als Mikrofon für das Seitensignal bei Mitte-Seite-Stereofonie.
Damit sind die gängigen Mikrofontypen nach ihrem Funktionsprinzip genannt. Darüber hinaus gibt es verschiedene Bauformen von Mikrofonen, die aber zunächst nichts mit dem technischen Funktionsprinzip zu tun haben.
Grenzflächenmikrofone:
Bei einem Grenzflächenmikrofon sitzt die Mikrofonkapsel direkt an einer Grenzfläche:

Innenleben Beta 91
Die Mikrofonkapsel selbst ist meistens ein Kleinmembrankondensatormikrofon.
Zwei sehr typische Einsatzszenarien sind in der Bassdrum und im Flügel (an den geschlossenen Deckel geklebt).
Clipmikrofone:
Clipmikrofone sind ziemlich klein und haben einen Clip – nomen est omen. Unabhängig davon können es aber dynamische Mikrofone oder Kondensatormikrofone sein.

Saxophonmikrofonierung
Typische Anwendungen solcher Mikrofone sind z.B. Bläser, die selten wie erstarrt vor einem Mikrofon stehenbleiben.
Lavaliermikrofone:
Damit bezeichnet man sehr kleine Mikrofone, die z.B. Fernsehmoderatoren an die Kleidung befestigt bekommen und die dann sehr unauffällig für einen guten Ton sorgen.
Röhrenmikrofone:
Diese Mikrofone haben eine eingebaute Vorverstärkung mit Hilfe einer Elektronenröhre, was meist nur bei Großmembrankondensatormikrofonen gemacht wird. Die Röhre sorgt für einen “warmen” Klang, indem sie harmonische Obertöne hinzufügt. Das Mikrofon nimmt also nicht unbedingt 1:1 den Schall ohne jede Verfälschung auf, sondern färbt bewusst den Klang, was durchaus als schön und angenehm empfunden werden kann.

Elektronenröhre in einem Röhrenmikrofon
Unabhängig vom Funktionsprinzip gibt es verschiedene Richtcharakteristiken, die alle ihre spezifischen Stärken und Schwächen haben – Details dazu hier: http://studio-in-a-box.de/siablog/?p=198
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