Archive for November, 2009

Richtcharakteristiken von Mikrofonen

Sonntag, November 29th, 2009

Unabhängig davon, ob ein Mikrofon dynamisch oder ein Kondensatormikrofon ist gibt es verschiedene Richtcharakteristiken; damit gibt man an, aus welcher Richtung sie den Schall aufnehmen und aus welchen nicht:

  1. Kugel: Das Mikrofon nimmt den Schall aus allen Richtungen gleichermaßen auf.
  2. Niere: Das Mikrofon nimmt nur aus einem nierenförmigen Bereich den Schall auf – etwas vereinfacht ausgedrückt: nur von einer Seite.
  3. Superniere: Wie Niere, nur in einem noch engeren Bereich – und (leider) auch etwas von genau hinten.
  4. Acht: Das Mikrofon nimmt Schall von links und rechts auf – der Bereich sieht aus wie eine 8.

Zu beachten ist, dass Bändchenmikrofone immer Acht-Charakteristik haben und Acht-Charakteristik-Mikrofone von Bändchen abgesehen meist Großmembran-Kondensatormikrofone sind.

Nicht jede Charakteristik eignet sich für jeden Zweck gleich gut:

  1. Kugel: Da der Schall aus allen Richtungen aufgenommen wird ist der Raumanteil relativ groß, der Raum sollte also gut klingen, will man mit der Aufnahme zufrieden sein. Live ist ein solches Mikrofon kaum einsetzbar, weil man auch viel zu viel anderes als nur die gewünschte Schallquelle mit aufnimmt.
  2. Niere: Die Standardcharakteristik, insbesondere live.
  3. Superniere: Wird auch sehr gerne live verwendet, man muss dabei aber berücksichtigen, dass diese auch genau von hinten einen gewissen Schallanteil mit aufnimmt.
  4. Acht: Live eigentlich nur beim MS-Verfahren verwendbar, im Studio ist natürlich auch z.B. ein Bändchen vor dem Gitarrenamp kein Problem, wenn sonst keine weitere Schallquelle vorhanden ist.

Umgekehrt müssen für bestimmte Zwecke bestimmte Charakteristiken verwendet werden:

  1. Bei der MS-Stereofonie muss für das Seitensignal ein Mikrofon mit Acht-Charakteristik verwendet werden; für das Mittensignal kann es Niere oder Kugel sein.
  2. Bei XY-Stereofonie – die ja nicht auf Laufzeiten, sondern auf Pegeldifferenzen beruht – müssen es Nierenmikrofone sein, sonst hat man keine Pegeldifferenzen in der Aufnahme.

Was bedeutet das alles für geplante Anschaffungen?

  1. Vorrangig wird man Nierenmikrofone kaufen, sie sind sehr universell einsetzbar, live und im Studio.
  2. Kugelmikrofone nehmen prinzipbedingt auch sehr tiefe Frequenzen gut auf, sind also z.B. für Kirchenorgel gut geeignet, da kommt man mit einem Pärchen schon weit.
  3. Achtcharakteristik wird hauptsächlich für MS-Stereofonie benötigt, da genügt eigentlich eines.

Ludwig Super-Sensitive – die SuSe

Donnerstag, November 19th, 2009

Eine klassische Ludwig-Snare ist die Super-Sensitive – oder häufig auch kurz SuSe genannt; ihren Namen trägt sie auf Grund der Parallelabhebung, die ein sehr feines Justieren des Snareteppichs erlaubt.

Ludwig Super-Sensitive

Ludwig Super-Sensitive

Ludwig Super-Sensitive

Ludwig Super-Sensitive

Das nächste Bild zeigt die Teppichabhebung mit ihrem Hebel und der Rändelschraube zur Einstellung der Teppichspannung:

Teppich-Abhebung der Parallelabhebung

Teppich-Abhebung der Parallelabhebung

Hier die andere Seite der Teppichabhebung, die über eine durchgehende Welle mitbetätigt wird; auch auf dieser Seite gibt es eine Rändelschraube zur Einstellung der Teppichspannung:

Parallelabhebung an der Ludwig Super-Sensitive

Parallelabhebung an der Ludwig Super-Sensitive

Die SuSe gab es mit unterschiedlichen Teppichen – hier einer aus Darmsaiten, der deutlich weniger raschelt wie die üblichen aus Drahtspiralen:

Snare-Teppich aus Darm

Snare-Teppich aus Darm

Sämtliche Darmseiten können einzeln in ihrer Spannung justiert werden – unabhängig davon, wie die Gesamt-Teppichspannung über die beiden Rändelschrauben eingestellt wird:

Justage des Snare-Teppichs

Justage des Snare-Teppichs

Kundenlob

Samstag, November 14th, 2009

Ein schönes Kundenlob:

“… bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass das für eine Jazz-Aufnahme einen schönen authentischen Sound hat. Nicht zu dicker Klang, sehr transparent, die Rhythmusgruppe in guter Balance, die Soli schön im Vordergrund.

Vorteil auch: man kann alle Stücke genießen ohne Kompressor-Ohrendruck-Kopfschmerzen zu bekommen.”

Da weiß man dann, dass man ziemlich viel richtig gemacht hat.

Mitte im Stereosignal bearbeiten

Dienstag, November 10th, 2009

Was macht man, wenn man ein Stereosignal hat und man möchte aus der Mitte etwas entfernen? Mit Techniken der MS-Stereofonie kommt man hier weiter – und das auch dann, wenn die Aufnahme selbst gar nicht mit MS-Stereofonie erfolgte, das geht mit jedem beliebigen Stereosignal.

Zunächst die Vorbereitungen für die Demonstration der Vorgehensweise – in der DAW-Software wurden drei MIDI-Spuren zusammengeklopft:

MIDI-Ausgangsmaterial

MIDI-Ausgangsmaterial

Diese drei Signale wurden im Panorama verteilt: Das erste hart links, das zweite in der Mitte, das dritte hart rechts:

Panning der Spuren

Panning der Spuren

Das Ganze hört sich dann so an:

Stereo-Ausgangsmaterial als MP3

Man hört deutlich drei Instrumente, die drei unterschiedliche Rhythmen spielen. Das ist nun das Stereosignal, mit dem gearbeitet werden soll. Die Aufgabe sei nun, aus diesem Stereomaterial die Snare in der Mitte möglichst weit im Pegel zu reduzieren.

Hier helfen Techniken aus der MS-Stereofonie. Sehr ausführlich – mehr als notwendig, dadurch aber übersichtlich und hoffentlich nachvollziehbar, die Kurzform kommt weiter unten – wurde das in der DAW wie folgt eingerichtet:

Spuren und Plugin in der DAW

Spuren und Plugin in der DAW

“Audio 1″ ist die oben vorgestellte Stereospur als Ausgangsmaterial. Diese wird auf Bus 1 und Bus 2 gesendet, das sind die Kanäle mit der Bezeichnung “Aux 1″ und “Aux 2″ – einfach nur, um zweimal dasselbe Signal zu haben. In “Aux 1″ und “Aux2″ wurde jeweils das Plugin MSED eingebaut; das ist ein Plugin zum Kodieren oder Dekodieren von MS-Stereofonie. In “Aux 1″ und “Aux 2″ wurde das Plugin jeweils auf Kodieren gestellt, d.h. aus einem normalen Stereosignal wird ein Signal in MS-Stereofonie gemacht; was dabei aus “Aux 1″ herauskommt wird nach Bus 3 geschickt mit dem Namen “Mitte”, was aus “Aux 2″ herauskommt wird nach Bus 3 geschickt mit dem Namen “Seite”.

Der Kanal “Mitte” enthält – nomen est omen – das Mitte-Signal, der Kanal “Seite” das Seite-Signal in MS-Stereofonie. Erreicht wurde das, indem im Plugin MSED in “Aux 1″ das Seitensignal stumm geschalten wurde und entsprechend in “Aux 2″ das Mittensignal, wie die Einstellungen der Plugins zeigen:

Einstellungen des MSED-Plugins

Einstellungen des MSED-Plugins

Links oben das Plugin des Kanals “Aux 1″, rechts oben das Plugin des Kanals “Aux 2″, man sieht die entsprechenden Mutings; beide Plugins sind auf Encode, also Kodieren, gestellt.

Zur Vertiefung: MSED gibt ein MS-Signal einfach auf einer Stereospur aus – auch wenn es sich dabei nicht um ein gewöhnliches Stereosignal handelt; dabei ist das Mitte-Signal auf dem linken Kanal, das Seite-Signal auf dem rechten Kanal; man hätte also einfach “Aux 1″ ganz nach links pannen können und “Aux 2″ ganz nach rechts, dann hätte man ohne Muting im Plugin dasselbe Ergebnis erzielt.

Man kann nun in der DAW beim Abhören einmal nur den Kanal “Mitte” abhören – dort hört man alle drei Klangquellen monofon – und einmal nur den Kanal “Seite” – dort hört man nur die linke und rechte Klangquelle auch monofon. Das ist eben das, was MS-Stereofonie ist: In der “Mitte” ist natürlich nicht nur das Instrument aus der Mitte des Panoramas, auch die Instrumente von der Seite kommen hier mit drauf. Auf der “Seite” sind aber wirklich nur die Instrumente von den Seiten. (Bei einer Mikrofonaufnahme in MS-Stereofonie stammt das Seitensignal ja von einem Mikrofon mit Acht-Charakteristik, das eben genau von der Mitte nichts aufnimmt.)

“Mitte” wird nun über Bus 4 auf den Kanal “Stereo” geschickt und dabei hart links gepannt, “Seite” wird auch über Bus 4 auch auf den Kanal “Stereo” geschickt, aber hart rechts gepannt. Auf “Stereo” liegt also nun links das Mitte-Signal, rechts das Seite-Signal. Des weiteren ist auf “Stereo” erneut das Plugin MSED zu finden, im Screenshot das mittige untere; es ist auf Decode, also Dekodieren, gestellt und macht damit aus MS-Stereofonie wieder ein gewöhnliches Stereosignal. Wie man im Screenshot sieht ist das Mitte-Signal im Pegel abgesenkt, das Seite-Signal im Pegel angehoben. Man hätte das alternativ auch erreichen können, indem man in “Mitte” den Fader nach unten schiebt, in “Seite” den Fader nach oben schiebt. Ergebnis ist auf jeden Fall, dass das in der Mitte liegende Signal, hier die Snare, im Pegel abgesenkt wird – und das war ja die Aufgabe.

Das Ergebnis hört sich so an:

Endergebnis als MP3

Man hört deutlich die stark zurückgefahrene Snare – allerdings um den Preis einer kleineren Stereobasisbreite, das ist nicht zu verhindern. Je leiser man das Mitte-Signal, hier also die Snare, macht, desto enger und schmaler wird alles, nimmt man die Snare ganz heraus, bleibt mono übrig.

Man könnte nun noch weitere Maßnahmen ergreifen, um die Snare unauffälliger zu bekommen, z.B. im Kanal “Mitte” einen EQ einbauen, der gezielt die typischen Frequenzen einer Snare reduziert, usw.

Das war die lange und ausführliche Vorstellung – es geht aber auch viel kürzer:

MSED im Inline-Modus

MSED im Inline-Modus

Das Plugin ist hier im Inline-Modus, d.h. das Signal wird kodiert und sofort wieder dekodiert, es geht als ein gewöhnliches Stereosignal hinein und ein solches kommt auch wieder heraus. Aber solange es innerhalb des Plugins als MS-Signal vorliegt kann der Pegel des Mitte-Signals und des Seite-Signals beeinflusst werden. Der Screenshot zeigt, dass das Mitte-Signal reduziert ist, das Seiten-Signal angehoben und es geschieht genau das Gleiche wie oben: Die Snare ist viel leiser, aber die Stereobasisbreite hat abgenommen.

Das zeigt auch, wofür dieses Plugin im Inline-Modus typischerweise verwendet wird – für die Veränderung der Stereobasisbreite: Mehr “Seite” macht das Signal breiter, mehr “Mitte” macht es schmaler. Mehr an Bearbeitung ist im Inline-Modus auch nicht möglich. Auf dem oben ausführlich vorgestellten langen Weg haben wir im Grunde nur diesen Inline-Modus nachgebaut, was aber die Möglichkeit eröffnet, das Mitte-Signal und das Seite-Signal getrennt zu bearbeiten, z.B. per EQ. Damit kann als Effekt auch erreicht werden, dass das Mitte-Signal im Pegel reduziert im Endergebnis erscheint.

DAW-Arbeitsplatz

Sonntag, November 8th, 2009
Arbeit in der DAW

Arbeit in der DAW

Arbeitsplatz an der DAW – stundenlange Arbeit an Jazzaufnahmen: Auf der einen Seite zwar behutsam bearbeitet, aber ganz ohne geht es eben doch nicht, vor allem etliche Automationen waren erforderlich.